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Optionen statt Optionsscheine: Warum echte Börsenoptionen für deinen Cashflow sinnvoll sind – und Bankprodukte nicht

Beitrag veröffentlicht am06.02.2026vonSteffen Stadel
In den Kategorien:Anlageklasse, Optionen
Finanzielle Freiheit, Inflation, Rente

Optionen und Optionsscheine sehen auf den ersten Blick ähnlich aus, sind aber zwei völlig unterschiedliche Welten – echte Optionen sind ein transparentes Marktinstrument, Optionsscheine sind ein von Banken konstruiertes Produkt mit eingebautem Nachteil für den Käufer.

Einstieg: Warum der Unterschied wichtig ist

Für deinen Cashflow‑Ansatz ist entscheidend:

  • Optionen erlauben dir, systematisch Prämien zu verdienen (Stillhalter‑Strategien). Du kannst Käufer oder Verkäufer sein und damit das Chance‑Risiko‑Verhältnis aktiv gestalten. Du nimmst also im Prinzip die Rolle der Bank ein.
  • Optionsscheine kannst du nur kaufen; die Bank ist dein Gegenspieler und verdient strukturell an deinem Zeitwertverlust und an der Produktgestaltung.

Ein Anleger, der „mit Hebel arbeiten“ will, aber nicht sauber zwischen beiden unterscheidet, landet häufig bei teuren Bankprodukten – und wundert sich später, warum die Bank konstant gewinnt und er selbst nicht.

Grundlagen: Was ist was?

  • Option (börsengehandelt):

    • Standardisierter Terminkontrakt auf einen Basiswert (Aktie, Index, ETF etc.).

    • Gibt dem Käufer das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis bis oder zu einem bestimmten Termin zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).​

    • Wird an Terminbörsen wie der Eurex gehandelt; dort treffen echte Marktteilnehmer aufeinander, es gibt Orderbuch, Transparenz und Liquidität.

    • Du kannst Optionen kaufen und verkaufen (Stillhalter), also auch als „Versicherer“ auftreten und Prämien kassieren.

  • Optionsschein (Bankprodukt):

    • Verbrieftes Derivat in Form einer Inhaberschuldverschreibung; Emittent ist praktisch immer eine Bank.

    • Gibt dir ein Recht auf die Differenzentwicklung eines Basiswerts, häufig mit Barausgleich statt physischer Lieferung.

    • Die Konditionen (Basispreis, Bezugsverhältnis, Laufzeit, Sonderregeln) bestimmt allein der Emittent.

    • Du bist immer Käufer, nie Stillhalter; dein Gegenspieler ist die Bank, die das Produkt konstruiert hat.

Kurz im Vergleich

Aspekt Börsengehandelte Optionen Optionsscheine der Bank
Emittent Niemand; Marktstandard, gehandelt an der Terminbörse (z.B. Eurex). Immer eine Bank/Emittent; Inhaberschuldverschreibung.
Handelspartner Andere Marktteilnehmer (anonym im Orderbuch).​ Bank als direkter Gegenspieler.
Rollen Kauf und Verkauf möglich (Stillhalter). Nur Kauf möglich, kein Verkauf/Stillhalterrolle.​
Standardisierung Standardisierte Kontrakte (Laufzeit, Strike, Kontraktgröße). Individuelle Struktur je Produkt; komplexe Bedingungen.
Preisbildung Transparent durch Angebot/Nachfrage und Modelle wie Black‑Scholes. Vom Emittenten festgelegt, oft mit Spread, Aufschlägen und Margen.
Kontrahentenrisiko Kein Emittentenrisiko, Clearinghaus in der Mitte.​ Emittentenrisiko: geht die Bank pleite, kann der Schein wertlos werden.
Strategien / Cashflow Breites Spektrum an Einkommens‑Strategien (Covered Calls, Cash‑Secured Puts etc.).​ Beschränkt auf Spekulation auf steigende/fallende Kurse.
Strukturprobleme von Optionsscheinen

Warum sind Optionsscheine als „Anlage“ so unattraktiv – gerade für Privatanleger?

  • Die Bank sitzt immer auf der besseren Seite:

    • Du bist strukturell immer Long Zeitwert, die Bank ist dein Gegenpart und verdient an Spread, Gebühren und Modellvorteilen.

    • Du kannst die statistisch profitablere Stillhalterrolle gar nicht einnehmen; sie bleibt beim Emittenten.

  • Intransparente Preisbildung:

    • Bei echten Optionen kannst du Volatilität, Zeitwert und inneren Wert relativ klar nachvollziehen; es gibt Offerten verschiedener Teilnehmer.

    • Beim Optionsschein bestimmt die Bank implizite Volatilität, Aufschläge und das Bezugsverhältnis – du siehst nur den Endpreis und einen Spread.

  • Starker Zeitwertverlust („Theta“):

    • Je näher die Fälligkeit, desto schneller frisst der Zeitwert deinen Einsatz auf, wenn der Kurs sich nicht deutlich in deine Richtung bewegt.

    • Das funktioniert wie eine Sanduhr gegen dich: Bleibt der Markt seitwärts, verlierst du immer weiter – die Bank vereinnahmt diesen Effekt.

  • Emittentenrisiko / Totalausfall:

    • Optionsscheine sind Schuldverschreibungen des Emittenten; bei Insolvenz der Bank droht Totalausfall, selbst wenn der Basiswert sich gut entwickelt hat.

    • Du trägst also Marktrisiko und Emittentenrisiko gleichzeitig.

  • Begrenzte Strategien:

    • Kein systematischer Cashflow, kein regelmäßiges Prämien‑Einkommen, nur Wetten auf Kursbewegungen.

    • In der Praxis werden Optionsscheine oft als „Hebelprodukt“ vermarktet – faktisch sind sie aber ein kurzfristiges Zockinstrument mit schlechter Erwartungsrendite.

Ein typisches Beispiel: Ein Anleger kauft einen Call‑Optionsschein auf eine Aktie, die sich leicht positiv entwickelt. Weil aber Zeitwert zerfällt und die implizite Volatilität fällt, steht der Schein trotzdem im Minus – obwohl die Richtung „stimmt“. Die Bank hat an Spreads und Theta verdient, der Privatanleger nicht.

Warum echte Optionen sinnvoll sein können

Optionen sind kein Spielzeug, aber sie geben dir als fortgeschrittenem Anleger Werkzeuge, um kontrolliert Cashflow zu generieren.

Der Zeitwertverfall von Optionen arbeitet für den Verkäufer von Optionen

  • Du kannst die Rollen wählen:

    • Als Käufer begrenzt du dein Risiko auf die gezahlte Prämie und sicherst z.B. ein Aktienportfolio mit Puts ab.​

    • Als Stillhalter (Verkäufer) kassierst du Prämien, z.B. über Covered Calls oder Cash‑Secured Puts, und baust dir damit eine wiederkehrende Einkommensquelle auf.​

  • Transparenz und Standardisierung:

    • Eurex‑Optionen haben klare Kontraktgrößen, standardisierte Laufzeiten und sind im Orderbuch einsehbar.

    • Du kannst griechische Kennzahlen (Delta, Theta, Vega) nutzen, um dein Risiko aktiv zu steuern – statt im Dunkeln zu tappen.​

  • Breites Strategie‑Spektrum:

    • Einkommensstrategien: Covered Calls, Cash‑Secured Puts, Credit Spreads, Iron Condors – alles Strategien, bei denen du bewusst die Versicherer‑Rolle einnimmst und Prämien kassierst.​

    • Risikomanagement: Günstige Portfolio‑Hedges über Put‑Optionen auf Indizes oder ETFs.​

  • Kein Emittentenrisiko wie beim Optionsschein:

    • Optionen laufen über das Clearinghaus der Börse; dein Risiko ist Markt‑ und Strategierisiko, nicht die Bilanz einer einzelnen Bank.​

Für einen Cashflow‑Investor ist das der entscheidende Unterschied: Du bist nicht mehr Konsument eines undurchsichtigen Hebel‑Produkts, sondern Gestalter eines eigenen Options‑„Versicherungs‑Geschäfts“.

Fazit: Optionen ja, Optionsscheine nein

  • Optionsscheine sind primär Bankprodukte:

    • Konstruiert und bepreist vom Emittenten, mit strukturellem Vorteil für die Bank, starkem Zeitwertverlust, Emittentenrisiko und begrenztem Strategie‑Set.

  • Optionen sind Marktwerkzeuge:

    • Standardisierte Kontrakte, transparent handelbar an der Terminbörse, mit der Möglichkeit, als Stillhalter systematische Prämien‑Strategien für laufenden Cashflow aufzubauen.

Wenn Du also „mit Optionen starten“ möchtest, sollte der Weg nicht über bunte Hebel‑Produkte der Hausbank führen, sondern über Bildung, Risiko‑Verständnis und den Handel mit echten, börsengehandelten Optionen bei einem passenden Broker.

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Die in diesem Beitrag enthaltenen Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Bildung und stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar. Investitionen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem vollständigen Risikohinweis.

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