Gold übt seit Jahrtausenden eine besondere Faszination aus. Es ist Symbol für Reichtum, Stabilität und Sicherheit – Werte, die in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit besonders gefragt sind. Ob steigende Inflation, geopolitische Spannungen oder stagnierende Aktienmärkte – Gold wird von vielen Anlegern als sicherer Hafen betrachtet. Doch wie kannst Du heute am besten in Gold investieren?
Die Möglichkeiten reichen vom klassischen Goldbarren und Goldmünzen bis hin zu modernen börsengehandelten Produkten wie Xetra-Gold oder EUWAX Gold II oder auch Fonds und ETFs.
Die Goldanlage über Fonds und ETFs wird hier nicht weiter beleuchtet, da diese in den meisten Fällen den steuerlichen Vorteil verlieren, den physisches Gold hat.
In diesem Artikel zeige ich Dir, welche Wege es gibt, in Gold zu investieren, welche Vor- und Nachteile sie haben und für wen sich welche Variante besonders eignet.
Warum Gold in jedem Depot eine Rolle spielen kann

Gold als solider Sachwertbaustein für Krisenzeiten.
Gold gilt als Versicherung im Portfolio. Es wirft zwar keine Zinsen ab, aber es schützt vor Geldentwertung und Marktverwerfungen. In Phasen hoher Inflation oder wirtschaftlicher Unsicherheit neigt der Goldpreis dazu, zu steigen, weil Anleger auf stabile Werte setzen.
Darüber hinaus hat Gold über die Jahrzehnte seine Kaufkraft weitgehend erhalten.
Der durchschnittliche jährliche Anstieg des Goldpreises (CAGR) von 1980 bis heute liegt bei etwa 5–9%, abhängig von den genauen Start- und Endpreisen sowie der Währung.
Während Papierwährungen schwanken und Regierungen Geldmengen ausweiten, bleibt Gold aufgrund seiner physischen Begrenztheit ein knappes Gut. Viele Finanzexperten empfehlen daher, zwischen 5 und 10 Prozent des eigenen Vermögens in Gold oder andere Edelmetalle zu investieren – als soliden Sachwertbaustein für Krisenzeiten.
Physisches Gold – Sicherheit zum Anfassen
Wenn Du Gold kaufst, kannst Du Dich zwischen physischem Besitz und sogenannten Wertpapieren auf Gold entscheiden. Der direkteste Weg führt über Barren oder Münzen. Diese Form des Investments begeistert vor allem Menschen, die Wert auf Kontrolle und Eigenbesitz legen. Du hältst sprichwörtlich „etwas in der Hand“, das unabhängig von Banken oder Finanzmärkten existiert.
Vorteile von physischem Gold:
-
Du besitzt das Gold wirklich – kein Gegenparteirisiko.
-
Es unterliegt keiner Insolvenzgefahr einer Bank oder eines Emittenten.
-
Nach mindestens 12 Monaten Haltedauer ist ein Gewinn beim Verkauf in Deutschland steuerfrei (§ 23 EStG).
Nachteile:
-
Du benötigst einen sicheren Lagerort (z. B. Bankschließfach oder Tresor).
-
Aufbewahrungs- und Versicherungskosten können anfallen.
-
Der An- und Verkauf ist weniger flexibel als bei börslichen Produkten.
Für Dich als Anleger kommt physisches Gold dann infrage, wenn Du langfristig Sicherheit suchst und keine tägliche Handelbarkeit brauchst. Wenn Du aber lieber einfach auf den Goldpreis setzen möchtest, ohne dich um Lagerung und Transport zu kümmern, sind börsengehandelte Goldprodukte – z.B. sogenannte ETCs – eine attraktive Alternative.
Gold-ETCs – Bequemer Zugang über die Börse
ETC steht für Exchange Traded Commodity, also börsengehandelter Rohstoff. Gold-ETCs bilden den Preis des Edelmetalls nahezu 1:1 ab, und Du kannst sie genauso einfach kaufen und verkaufen wie eine Aktie über Deinen Online-Broker.
Im Gegensatz zu ETFs (Exchange Traded Funds) bilden ETCs keine Aktienindizes ab, sondern direkt den Preis eines Rohstoffs – in diesem Fall Gold. Juristisch sind ETCs Schuldverschreibungen des Emittenten, die mit physischem Gold hinterlegt sind. Du besitzt also kein direktes Eigentum am Gold, sondern eine Forderung auf das Gold.
Zwei der bekanntesten Produkte im deutschsprachigen Raum sind Xetra-Gold und EUWAX Gold II. Beide ermöglichen Dir, am Goldpreis zu partizipieren und bei Bedarf sogar die physische Auslieferung des Goldes zu beantragen.
Xetra-Gold – liquide, kostengünstig, aber mit jährlichen Gebühren
Xetra-Gold (ISIN: DE000A0S9GB0) ist eines der populärsten Gold-ETCs in Deutschland und wird über die elektronische Handelsplattform Xetra gehandelt. Jede Schuldverschreibung entspricht genau einem Gramm Gold, das physisch im Tresor der Deutschen Börse in Frankfurt liegt.
Wie funktioniert Xetra-Gold?
Du kaufst über Deinen Broker Anteile an Xetra-Gold wie eine Aktie. Diese sind durch physisches Gold gedeckt, das im Auftrag der Emittentin hinterlegt wird. Auf Wunsch kannst Du Dir das Gold sogar physisch ausliefern lassen – Mindestmenge ein Gramm –, wobei Versand- und Prägekosten hinzukommen.
Kostenstruktur:
-
Keine Ausgabeaufschläge oder Managementgebühren.
-
Lagerkosten von 0,36 % pro Jahr (0,30 % zzgl. 0,06 % MwSt.).
Da Xetra-Gold über die Xetra-Plattform zwischen 09:00 und 17:30 Uhr gehandelt wird, ist die Liquidität hoch und der Spread – also der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis – sehr gering. Das macht das Produkt besonders attraktiv für kurzfristige oder taktische Investments.
Vorteile:
-
Hohe Liquidität und enge Spreads
-
Physisch gedeckt und auslieferbar
-
Direkter Bezug zum Goldpreis
Nachteile:
-
Laufende Lagergebühren mindern die Rendite bei langer Haltezeit
-
Du erwirbst rechtlich keinen Eigentumstitel am Gold, sondern eine Forderung
Für wen Xetra-Gold geeignet ist:
Wenn Du Gold als taktisches Element im Depot einsetzen möchtest – beispielsweise zur Absicherung in volatilen Marktphasen – bietet sich Xetra-Gold an. Es kombiniert Transparenz, einfache Handelbarkeit und physische Deckung. Für kurzfristige oder mittelfristige Investoren ist es daher meist die bessere Wahl.
EUWAX Gold II – physisch hinterlegt und ohne laufende Kosten
EUWAX Gold II (ISIN: DE000EWG2LD7) ist das Pendant der Börse Stuttgart und bietet ein ähnliches Konzept wie Xetra-Gold, aber mit leicht anderem Schwerpunkt. Hier wird das Gold zu 100 % physisch hinterlegt und sicher in deutschen Tresoren verwahrt. Der entscheidende Unterschied: Es fallen keine laufenden Lager- oder Managementgebühren an.
Das bedeutet für Dich: Wenn Du EUWAX Gold II über Deinen Broker kaufst, weißt Du, dass der Preis des ETC ausschließlich von den Marktbewegungen des Goldpreises abhängt – nicht von jährlichen Kosten.
Auch hier kannst Du Dir das hinterlegte Gold physisch ausliefern lassen – ab einer Menge von 1 Gramm und in verschiedenen Stückelungen.
Steuerliche Vorteile:
EUWAX Gold II wird steuerlich wie physisches Gold behandelt. Wenn Du die Anteile länger als zwölf Monate hältst, fallen auf die Gewinne keine Steuern an. Banken führen in der Regel bei Veräußerungen keine Abgeltungssteuer ab, da die Haltedauer von einem Jahr entscheidend ist.
Handel:
Der Handel findet börsentäglich zwischen 08:00 und 22:00 Uhr an der Börse Stuttgart statt – also deutlich länger als bei Xetra-Gold.
Vorteile:
-
Keine laufenden Gebühren
-
Physisch vollständig gedeckt
-
Steuerlich wie physisches Gold behandelt
-
Längere Handelszeiten
Nachteile:
-
Geringfügig höherer Spread beim Kauf
-
Etwas weniger liquide als Xetra-Gold was im täglichen Handel aber kaum einen Unterschied macht
Für wen EUWAX Gold II geeignet ist:
EUWAX Gold II ist ideal für langfristig orientierte Anleger, die Gold als dauerhafte Wertreserve halten möchten. Wenn Du planst, Dein Gold später physisch einlösen zu lassen oder einfach die jährlichen Gebühren vermeiden möchtest, ist EUWAX Gold II eine ausgezeichnete Wahl.
Vergleich: Xetra-Gold vs. EUWAX Gold II
Um Dir die Entscheidung zu erleichtern, findest Du hier eine übersichtliche Gegenüberstellung beider Produkte:
| Kriterium |
Xetra-Gold |
EUWAX Gold II |
| Deckung |
Physisches Gold in Frankfurt |
Physisches Gold in Deutschland |
| Laufende Kosten |
0,36% p.a. Lagerkosten |
Keine |
| Spread beim Kauf |
Gering |
Etwas höher |
| Handelszeiten |
09:00–17:30 (Xetra) |
08:00–22:00 (Stuttgart) |
| Auslieferung möglich ab |
1 g |
1 g |
| Beste Eignung für |
Kurzfristige Anleger |
Langfristige Anleger |
Diese Tabelle zeigt deutlich, dass beide ETCs solide Lösungen sind – die Entscheidung hängt letztlich von Deinem persönlichen Anlageziel ab.
Wann physisches Gold, wann ETCs?

Gold als Bestandteil der persönlichen finanziellen Vorsorge
Die Gretchenfrage lautet: Willst Du Dein Gold wirklich besitzen oder reicht Dir der Anspruch darauf?
Wenn Du maximale Unabhängigkeit möchtest, sind Barren oder Münzen der klassische Weg. Du hast damit zwar etwas mehr Aufwand bei Lagerung und Versicherung, aber das gute Gefühl, echtes Gold zu halten. Gerade für Krisenabsicherung ist das unverzichtbar.
Wenn Du dagegen Wert auf Flexibilität, einfache Handelbarkeit und niedrige Einstiegshürden legst, dann sind ETCs wie Xetra-Gold oder EUWAX Gold II die bessere Lösung. Sie lassen sich leicht über Dein Online-Depot kaufen, handeln und verwahren.
Praxis-Tipp: Kombination beider Ansätze
Viele clevere Anleger kombinieren beide Wege. Ein Teil des Goldbestands wird physisch im Tresor oder Bankschließfach aufbewahrt – als „Notgroschen“ für den Ernstfall. Der andere Teil wird über Gold-ETCs gehalten, um flexibel auf Marktbewegungen reagieren zu können.
Beispiel:
-
30 % physisches Gold: Langfristige Absicherung, keine Gegenparteirisiken.
-
70 % Gold-ETCs: Liquidität, einfaches Umschichten bei Bedarf.
So kombinierst Du Sicherheit mit Flexibilität.
Fazit – Welches Produkt passt zu Dir?
Beide Wege führen zum gleichen Ziel: Teilhabe am Goldpreis und Absicherung des Vermögens.
Wichtig ist, dass Du Deine individuellen Ziele kennst:
-
Planst Du kurzfristige Investments oder möchtest Du kurzfristig Gewinne mitnehmen? → Dann bist Du mit Xetra-Gold gut beraten.
-
Möchtest Du Dein Gold langfristig halten, eventuell sogar später ausliefern lassen, ohne jährliche Kosten? → Dann ist EUWAX Gold II die bessere Wahl.
Und wenn Dir physischer Besitz wichtig ist, darf ein kleiner Bestand an Barren oder Münzen ohnehin nicht fehlen.
Gold ist keine Anlage, mit der Du schnell reich wirst – aber es hilft Dir, Dein Vermögen zu schützen und Krisenzeiten gelassener zu überstehen. Wer sein Portfolio stabil und krisenfest gestalten will, sollte Gold – in welcher Form auch immer – als festen Bestandteil in die eigene Finanzstrategie integrieren.
Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!